Wenn ein Regionalsender mit kleinem technischen Team kurzfristig eine zweite Produktionsumgebung aufbauen muss, steht er vor einer grundsätzlichen Entscheidung: parallele Infrastruktur mit eigener Signalkette – oder Integration in die bestehende Anlage. Der Westschweizer Sender La Télé entschied sich für den zweiten Weg, als er den Zuschlag für die französischsprachige Studio-Produktion rund um die Schweizer Eishockey-National-League erhielt.
La Télé versorgt aus dem Lausanner Palais de Beaulieu und einer zweiten Betriebsstätte in Villars-sur-Glâne die Kantone Waadt und Freiburg mit Nachrichten und Magazinsendungen. Daneben hat sich der Sender in der Live-Sportproduktion etabliert – unter anderem mit Übertragungen des 20km de Lausanne und der Eishockey-Analysesendung Les Puckalistes.

Als die National League ihre Free-to-Air-Rechte für die Westschweiz neu vergab, sicherte sich La Télé gemeinsam mit Léman Bleu und Télé Bilingue den Zuschlag als Nachfolger von RTS. Anschließend beauftragte der Pay-TV-Rechteinhaber MySports die Produktionssparte La Prod zusätzlich mit französischsprachigen Wrap-around-Sendungen für die Pay-Ausstrahlung. La Télé wurde damit gleichzeitig Sender und Dienstleister.
Das technische Konzept verantwortete ein Team um François Vittoz (Technical Director), ergänzt durch Maxime Humbert (Technical Manager), Ouriel Barbezat (Sound Manager) und David Klaus (AV Technician). Der Zeitrahmen: drei Monate bis zur ersten Sendung.
„MySports besuchte unsere Einrichtung, und im Zuge der Standardisierung des Rahmenprogramms rund um die Spiele über alle Kanäle hinweg entstand die Möglichkeit, auch die Wrap-around-Shows für die Pay-Sendungen zu produzieren", berichtet David Klaus stellvertretend für das technische Team. „So wurden wir gleichzeitig Sender auf La Télé und Produzent für MySports."

Ein Router, zwei Regien
Kernstück der Lösung ist ein Blackmagic Videohub 120x120 12G als zentrale Kreuzschiene für beide Regien. Statt eine eigene Signalkette für die Spieltag-Produktion aufzubauen, bindet der Router die neue MySports-Regie in die bestehende Infrastruktur ein.
„Sobald die Entscheidung für eine zweite Regie gefallen war, war klar, dass wir unsere Routing-Kapazitäten erweitern mussten", sagt Klaus. „Wir brauchten einen Signalaustausch zwischen der bestehenden La-Télé-Infrastruktur und den neuen MySports-Komponenten."
Allein für die MySports-Produktion verarbeitet der Router an Spieltagen rund 45 Quellen und 60 Ziele, zusätzlich zur parallel laufenden La-Télé-Produktion. „Der Videohub 120x120 hat im Grunde ein einziges, aber großes Problem gelöst", so Klaus. „Er hat uns davor bewahrt, zwei parallele Systeme aufzubauen."
Die Hauptregie arbeitet mit einem ATEM 4 M/E Constellation HD, gesteuert über ein ATEM 2 M/E Advanced Panel 20. Beide Regien greifen auf dieselben Robotik-Studiokameras, Multiview-Monitore und die gemeinsame Signalverarbeitung zu. Ein geteilter Serverraum macht doppelte klimatisierte Räume überflüssig und zentralisiert Recording und Playout.

„Gemeinsam mit MySports haben wir entschieden, das gesamte Management der neuen Regie in unsere bestehende Infrastruktur zu integrieren", erläutert Klaus. „Das schafft Redundanz, insbesondere bei den Bildmischern und Recordern."
Der standortübergreifende Signalzugriff erweist sich als besonders wertvoll für das sechsköpfige technische Team: Der leitende Operator in jeder Regie kann beide Sendeketten simultan über Ethernet steuern, mit vollem Routing-Zugriff von beiden Positionen.
„Der leitende Techniker in der MySports-Regie kann die gesamte Kette von seiner Position aus bedienen – und umgekehrt", sagt Klaus. „Wir können diese Position sogar zwischen La Prod und La Télé teilen, was bei einem kleinen Team ein erheblicher Vorteil an Flexibilität ist."
Sieben Spiele, ein Workflow
Alle sieben National-League-Partien kommen an Spieltagen gleichzeitig per Glasfaser über Nimbra-IP-Videotransport in die Regie. „An Spielabenden empfangen wir zehn Signale von den Ü-Wagen an den Spielorten, dazu zwei Austauschsignale mit der deutschsprachigen Masterregie in Erlenbach, und liefern vier Signale zurück", erläutert Klaus.
Ein achtköpfiges Team betreibt die Produktion an drei Abenden pro Woche. Der Workflow beginnt am frühen Nachmittag: Der leitende Techniker konfiguriert Routing, Audiomischung und Signalverteilung, anschließend werden Intercom- und Videoverbindungen mit den Ü-Wagen und Erlenbach getestet.
Drei Editoren an Replay-Stationen mit DeckLink Quad 2 und UltraStudio Mini Monitor als Capture- und Playback-Karten beobachten die Spielfeeds, markieren Schlüsselszenen und bauen Highlight-Pakete, während die Partien laufen.
Die Audio-Integration läuft über zwei SDI-Interface-Units, die Embedding und De-Embedding zwischen SDI-Infrastruktur und dem Audio-over-IP-Netzwerk übernehmen. Eingehende Signale von den Spielorten passieren die IP-Gateways, werden in den Interface-Units kanalweise umsortiert und an den Videohub weitergereicht. Ausgehende Signale nehmen den umgekehrten Weg.

Die Sendung beginnt um 19:25 Uhr mit einer Studio-Moderation, bevor auf den Live-Kommentar des Hauptspiels geschaltet wird. In den Drittelpausen analysieren die Experten die Highlights, während die Editoren Clips auf Abruf schneiden und ausspielen. Endet das Hauptspiel vorzeitig, kann die Regie auf jede noch laufende Partie umschalten, bevor das Post-Match-Programm folgt.
Um 22:25 Uhr geht eine 40-minütige Highlight-Zusammenfassung gleichzeitig über La Télé, Léman Bleu, MySports und Télé Bilingue auf Sendung. Sie speist sich aus den während des Abends vorbereiteten Paketen und frischen Post-Match-Interviews. Ein Motion-Graphics-System liefert die Sendegrafiken, die Bildmischung der Studio- und Spielsegmente übernimmt der ATEM Constellation.
„Spiel für Spiel gehen die Analysten die entscheidenden Szenen durch, und die Editoren spielen die Clips auf Zuruf des Produzenten ein", sagt Klaus. „Parallel schneiden sie Post-Match-Interviews und melden neues Material an die Moderatoren."
Standardisierung als Betriebsstrategie
Während MySports in Erlenbach eine eigene Masterregie betreibt, setzte La Télé ein Konzept um, das den Anforderungen der Live-Spieltage gerecht wird und gleichzeitig zu den Ressourcen eines Regionalsenders passt.
„Die Entscheidung, auf Blackmagic Design zu standardisieren, war letztlich eine pragmatische", sagt Klaus. „Als Regionalsender müssen wir diszipliniert mit unseren Mitteln umgehen. Preis, Verfügbarkeit und die Breite des Portfolios bestimmen unsere technischen Entscheidungen."
Die erweiterte Infrastruktur dient La Télé inzwischen als Vorlage für künftige Live-Produktionen. „Das Modell, das wir für die National League aufgebaut haben, gibt uns ein skalierbares Template für zusätzliche Anforderungen", so Klaus. „Künftige Aufbauten werden damit einfacher und weniger personalintensiv."