Im November 2025 schloss ARRI zwei Standorte und strich rund 150 Stellen, mitten in einem, wie es der Konzern selbst nannte, „fundamentalen Wandel" der Branche. Neun Monate später eröffnet der Münchner Kinotechnik-Hersteller ein komplett neues Geschäftsfeld: Mit dem HONOR Robot Phone bringt ARRI seine Bildwissenschaft erstmals in ein Consumer-Smartphone.
Dazwischen liegt der Eigentümerwechsel zu Thomas Riedel: Der Firmengründer und Group-CEO von Riedel Communications übernahm die ARRI Group im Frühjahr 2026 zu 100 Prozent und kündigte auf der NAB 2026 an, das Unternehmen über Innovation statt über weitere Kostensenkungen zu entwickeln.
Im Robot Phone treffen jetzt HONORs mobile Bildverarbeitung, KI und robotische Kamerasteuerung auf ARRI LogC3, ARRI Wide Gamut 3 und eine Auswahl an ARRI Looks. Ein Titanium Agile Gimbal stabilisiert Bewegungen, verfolgt Motive und ermöglicht freihändige Aufnahmen; ARRI liefert dazu die farbliche und tonale Basis für Aufnahme und Nachbearbeitung. Das Smartphone trägt die Kennzeichnung „co-engineered with ARRI" und ist der erste kommerzielle Output der gemeinsamen Cinematic Imaging Partnership. Einfach portieren ließ sich ARRIs Bildwissenschaft dabei nicht: Kleinere Sensoren, kompakte Optiken, integrierte Prozessoren und Echtzeit-Rechenlast verlangten eine eigene Implementierung für das Mobilgerät.
LogC3-Aufnahmen passen in bestehende Grading-Pipelines
Aufgenommen wird mit 10-Bit-ARRI-LogC3, das mehr Highlight-, Schatten- und Farbinformationen festhält, als es Smartphone-Codecs sonst tun. ARRI Wide Gamut 3 liefert dafür den Farbraum, die ARRI Looks, zuletzt unter anderem beim ESC zu sehen, stellen per Fingertipp vordefinierte Bildstile bereit. Wird das LogC3-Material anschließend in professionelle Schnitt- und Color-Grading-Software importiert, greifen dieselben Farbmanagement-Workflows, die Produktionsfirmen von ARRI-Kinokameras bereits kennen.

Content Creation wird ARRIs dritte Sparte
„Das HONOR Robot Phone ist ein wichtiger Meilenstein für ARRIs Expansion in den Bereich Content Creation", sagt David Bermbach, Chief Product Officer von ARRI. „Gemeinsam mit HONOR übertragen wir unsere Sicht auf Bildqualität, Farbe und visuelles Erzählen in eine neue Kategorie. Das gibt mehr Creators Zugang zu größerer kreativer Kontrolle und einer engeren Verbindung zwischen Aufnahme und Postproduktion."

Ein gemeinsames Imaging-Technology-Lab beider Unternehmen arbeitet an drei weiteren Themenfeldern: Sensorik und Dynamikumfang auf Bauteilebene, durchgängige Workflows der Kinoindustrie von der Aufnahme bis zur Postproduktion sowie Bildrealismus und ästhetische Standards im KI-Zeitalter. Bei HONORs Imaging Technology Launch im chinesischen Hengdian, einem der größten Film- und Fernsehproduktionsstandorte weltweit, zeigten Filmemacher die kombinierten Technologien bereits in Produktionsszenarien mit kompakter Kamerabewegung und professionellen Postproduktions-Workflows.
Wer sich hierzulande das neue Robot Phone sichern will wird aber enttäuscht – verfügbar ist das Handy zunächst nur in China. Für ARRI ist es unabhängig vom deutschen Marktstart die erste Sparte seit der Riedel-Übernahme, die nicht auf bestehende Kino- und Live-Kunden zielt, sondern auf ein Millionenpublikum, das der Hersteller bislang nie erreicht hat.