Volle Kontrolle im Sendebetrieb

TAG Video Systems lanciert auf der IBC die "Zero Friction"-Initiative. Ein Interview mit Massimo Dolce über die Herausforderungen der Content-Anbieter bei der Überwachung von Inhalten.

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Massimo Dolce (li.) zusammen mit Danna Mann
Massimo Dolce (li.) zusammen mit Danna Mann, Director of Marketing bei TAG

TAG Video Systems hat auf der IBC seine “Zero Friction”-Philosophie vorgestellt. Massimo Dolce, Sales Director EMEA, erklärt im mebucom-Interview, was es damit auf sich hat, warum ein Best-of-Breed-Technologie-Ansatz immer wichtiger wird und vor welchen Herausforderungen Content-Anbieter stehen.


Herr Dolce, TAG Video Systems wirbt auf der IBC mit dem Slogan “Zero Friction”. Was bedeutet dieser Leitsatz für die Kunden von TAG?

Für Tag Video Systems ist “Zero Friction” sowohl Strategie als auch gelebte Kultur und die Art und Weise, wie wir mit unseren Kunden kommunizieren. 

Im Grunde geht es darum, die Herausforderungen unserer Kunden zu meistern. In erster Linie wollen wir helfen, die Komplexität der heutigen IP-Workflows zu vereinfachen. Seit dem Wechsel von SDI zu IP, der Einführung von OTT und der Systemintegration verschiedener Dienste in den Distributionsworkflow hat die Komplexität zugenommen. Eines unserer Unternehmensziele ist es, diese Komplexität zu reduzieren. Dies erreichen wir, indem wir eine einzige Lösung für alle unterschiedlichen Anwendungen anbieten – vom Multiviewing in der Live-Produktion über API-Steuerung und -Integration bis hin zum Monitoring von OTT-Streams – ein Tool für den gesamten Workflow. Unser Produkt ist im Wesentlichen eine Antwort auf den hohen Qualitätsanspruch unserer Kunden.

Darüber hinaus versuchen wir, unsere Kunden in die Lage zu versetzen, mit den Veränderungen in der Branche Schritt zu halten. Die Dinge ändern sich sehr schnell. Technologien, neue Formate, neue Protokolle, veränderte Kundenanforderungen. Deshalb versuchen wir, eine sehr flexible, skalierbare Software zu entwickeln, die es ihnen ermöglicht, sich morgen zu ändern, wenn es notwendig ist.

Welche Neuerungen stellen Sie auf der Messe vor, um die angesprochene Komplexität zu reduzieren?

Eine der Neuerungen ist das Content Matching. Dabei wird beim Playout eine Art Fingerabdruck des ursprünglichen Contents genommen, um ähnliche Inhalte in verschiedenen Streams zu erkennen und so sicherzustellen, dass sie korrekt und unterbrechungsfrei an ihr Ziel übertragen werden. Sie ermöglicht beispielsweise die Messung der Latenz zwischen zwei beliebigen Punkten im Workflow, das A/V-Matching oder den Vergleich von Streams zur Optimierung der Übertragung.

Auch nach der Verarbeitung und Manipulation des Inhalts kann TAG die Übereinstimmung identifizieren und bestätigen, dass der Inhalt identisch und korrekt ist und sich wie erwartet verhält.

Content Matching von TAG Video Systems

Mit seiner spezialisierten Ausrichtung positioniert sich TAG als Best-of-Breed-Anbieter im Markt. Wie stellt TAG sicher, dass die Integration der Software in bestehende Broadcast-Infrastrukturen gelingt? 

TAG Video Systems bringt ausschließlich qualitativ hochwertige Lösungen auf den Markt und im Wesentlichen geht es nur um zwei Dinge: Überwachung und Visualisierung. Das macht TAG nun schon seit 14 Jahren. Wir glauben daher sehr stark an den Best-of-Breed-Ansatz und weniger an eine Broadcast-Welt, in der ausschließlich End-to-End- oder All-in-One-Lösungen zum Einsatz kommen. Außerdem öffnen die Best-of-Breed-Anbieter in unserer Branche nach und nach ihre Systeme. Sie schaffen eine Umgebung, die interoperabel ist. Auch TAG tut dies mit einem sehr offenen System mit sehr fortschrittlichen APIs. Man kann jeden Teil des Systems über APIs ansprechen, sogar die Benutzeroberfläche. Um das zu zeigen, haben wir auf der IBC die Integration von Nevion oder die Integration von Data Miner mitgebracht. Systeme, die nicht offen sind, wird es meiner Meinung nach nicht mehr lange geben.

Ein wichtiges Trendthema auf der Messe ist die künstliche Intelligenz. Wie wird dieses Thema bei TAG behandelt?

Das ist eine sehr gute Frage. Natürlich sind wir keine Newsroom-Software, bei der man klassischerweise mit KI leichter an Dateien oder Bilder herankommt. Wir sind Provider eines Monitoring-Systems. Wir beobachten, was im Hier und Jetzt passiert. Trotzdem nutzen wir, wie man zum Beispiel an der Content-Matching-Lösung sieht, einige sehr intelligente Algorithmen, die wir über die Jahre entwickelt haben und die mit unserem Produkt mitwachsen. Bei unseren Analysetools wird es in Zukunft sicherlich Möglichkeiten geben, KI gewinnbringend einzusetzen. Aber es ist heute noch zu früh, darüber zu sprechen. 

TAG Video Systems auf der IBC 2023

Mit welchen Anliegen oder Bedürfnissen kommen Interessierte an den TAG-Stand?

Broadcaster haben einen sehr hohen Qualitätsanspruch und verstehen, dass ein Monitoring-System in der heutigen Content-Distribution-Chain eine wichtige Rolle spielt, denn leider funktioniert nicht immer alles wie gewünscht. In einer idealen Welt, in der alles perfekt funktioniert, bräuchten wir kein Monitoring-System. Aber wenn es irgendwo klemmt, muss der Kunde in Echtzeit verstehen, wo das Problem liegt und warum es aufgetreten ist. Die Frage der Rundfunkanstalten ist also, ob wir dabei helfen können. 

Zweitens sind die Anforderungen der Kunden sehr spezifisch. Dementsprechend sind auch die Erkenntnisse, die aus den Daten der Broadcaster gewonnen werden sollen, sehr unterschiedlich. Wir geben also kein festes Dashboard vor, sondern bereiten alle verfügbaren Daten übersichtlich auf, machen sie leicht zugänglich und verständlich. Das ist das Wichtigste.

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