Das deutsche Filmproduktionsunternehmen Neon Vision setzt bei Werbespots, Musikvideos und kürzeren narrativen Formaten auf einen flexiblen Virtual-Production-Workflow mit Technik von Blackmagic Design. Die PYXIS 12K dient dabei sowohl für reale Hintergrundaufnahmen als auch für Drehs vor LED-Wänden und Greenscreens. Mit dem Ultimatte 12 4K kann das Team Vordergrund und Hintergrund bereits am Set zusammenführen.
„Anfangs haben wir versucht, für alles denselben Produktionsansatz zu verwenden, doch damit lagen wir falsch“, sagt Florian Wolf von Neon Vision. Virtuelle Produktionen lassen sich nach Wolfs Erfahrung inzwischen deutlich günstiger umsetzen: „In den letzten fünf oder sechs Jahren haben wir gelernt, wie man ein ähnliches Produktionsniveau für einen Bruchteil der damaligen Kosten erreicht.“

Eine Kameraplattform für wechselnde Aufgaben
Neon Vision nimmt mit der PYXIS 12K sowohl Location- und Driving-Plates als auch die Studioszenen auf. „Man hat einen Sensor, ein Bild und einen Look“, sagt Wolf. „Man kann die Geschichte von Anfang bis Ende mit einem System erstellen.“
Dabei entscheidet Neon Vision je nach Einstellung über die benötigte Auflösung. Die sensorinterne Skalierung erlaubt den Wechsel, ohne das Bildfeld zu verändern. „Ob wir in 4K, 8K oder 12K drehen, wir nutzen weiterhin den vollen Sensor“, erläutert Wolf. Für Greenscreen-Aufnahmen bevorzugt er die hohe Auflösung, „weil sie uns mehr Informationen für den Key liefert“. Für Drehs vor LED-Wänden betont Wolf die Bedeutung der Synchronisation: „Bei LED-Bühnen ist Genlock ein Muss.“
Auch die Bauform spielt für den Wechsel zwischen Studio und Außenaufnahme eine Rolle. „Weil die Kamera so kompakt ist, können wir sie auf einen Gimbal setzen, in einem Auto montieren oder mitnehmen, um Plates zu drehen“, sagt Wolf.
Bei einer Produktion mit Spielszenen für das Hochformat nutzte das Team die hohe Auflösung der 12K-RAW-Aufzeichnung, um teilweise auf separate Super-Close-ups zu verzichten und engere Ausschnitte aus dem breiteren Bild zu gewinnen. Das verlangt allerdings präzises Fokussieren: „Wenn die Darstellerin oder der Darsteller nicht absolut scharf fokussiert ist, fällt das beim Hineinzoomen sofort auf.“

Reale Plates und Compositing im Studio
Bei der Planung beginnt Neon Vision häufig mit der Frage, was sich real drehen lässt. „Echte Location Plates sind immer die beste Wahl“, sagt Wolf. „Wenn das nicht ausreicht, können wir sie erweitern.“ Als Beispiel nennt er einen Wald, in dessen Aufnahmen sich benötigte Flammen mithilfe von KI oder in der Postproduktion ergänzen lassen.
Für die anschließende Arbeit im Studio stehen mehrere Wege offen. Beim Greenscreen ersetzt Neon Vision die Hintergründe entweder später über eine KI-unterstützte Pipeline oder führt mit dem Ultimatte 12 4K bereits während des Drehs Vordergrund und 2D- oder 3D-Hintergrund zusammen. Beim Echtzeit-Compositing können Regie, Kamerateam und Kunde bereits am Set beurteilen, wie Vordergrund und Hintergrund im zusammengesetzten Bild wirken. Maximillian Gillich von Neon Vision beschreibt dies als wirtschaftliche Option, die für viele Produktionen ausreicht, ohne einen vollständigen LED-Workflow aufzubauen.

Gillich beziffert den Anteil der LED-Arbeit mit 2D-Hintergründen bei Neon Vision auf rund 80 Prozent. Verwendet werden reale Aufnahmen, KI-generiertes Material, Standbilder und Videos. „LED bedeutet nicht automatisch, eine getrackte 3D-Welt in Unreal Engine aufzubauen“, sagt er. Insbesondere bei begrenzten Kamerabewegungen können reale Vordergrundelemente helfen, den Übergang zur virtuellen Umgebung zu gestalten.
Für eine Szene, in der ein Schauspieler durch einen Wald läuft, nahm das Team zunächst mit der PYXIS 12K eine bewegte 12K-RAW-Plate auf – während einer Fahrt auf einem elektrischen Longboard. Zurück im Studio lief die Aufnahme auf der LED-Wand hinter dem Darsteller. Reale Zweige im Vordergrund sollten die Bewegung glaubwürdiger machen. „Am Set sah es damals etwas seltsam aus, aber am Ende hat es perfekt funktioniert“, erinnert sich Wolf.