RTL News hat die Tonregie 1 am Standort Köln-Deutz umfassend modernisiert und auf 5.1-Surround-Produktion umgestellt. Zur neuen Ausstattung gehören eine Lawo mc²96, eine neue Abhörumgebung und eine IP-basierte Signalinfrastruktur. Seit August 2026 läuft der reguläre Sendebetrieb aus der umgebauten Regie.
Am Kölner Standort entstehen unter anderem RTL Aktuell, Punkt 12, Exclusiv und Extra sowie Produktionen für ntv. Vier Tonregien hatte RTL News zuvor bereits mit mc²56-Konsolen und der Managementplattform HOME ausgestattet. Die erneuerte Tonregie 1 wird Teil dieser Umgebung.
Direktzugriff für den Live-Betrieb
Für die Wahl der mc²96 war unter anderem das Bedienkonzept ausschlaggebend: Im zentralen Bedienfeld stehen neben Touchscreens zahlreiche physische Bedienelemente für Equalizer, Dynamikbearbeitung, Monitoring und Routing bereit. Bei Nachrichten- und Magazinsendungen müssen die Toningenieure etwa auf wechselnde Mikrofontypen, spontane Schaltgespräche oder ungünstig platzierte Lavaliermikrofone reagieren.
„Im News-Betrieb müssen unsere Toningenieure oft augenblicklich auf veränderte Bedingungen reagieren können“, erklärt Gerhard Ruberg, Leiter Audio bei RTL News und Projektleiter des Umbaus. „Die mc²96 bietet genau die Direktzugriffe und Übersichtlichkeit, die wir für schnelle Entscheidungen im Live-Betrieb benötigen.“

Zugleich hat RTL News die Zahl externer Geräte reduziert. Auto-Leveling, Signalbearbeitung und Routing sind nun in die Produktionsplattform integriert. Für spezialisierte Aufgaben bleiben Cedar zur Rauschunterdrückung und Waves SuperRack für zusätzliches Plug-in-Processing eingebunden. Die Waves-Plug-ins lassen sich dabei direkt über die Konsole bedienen.
DSP-Ressourcen für mehrere Regien
Bei einzelnen großen Sportproduktionen fallen einschließlich der Kommandoverbindungen bis zu 600 Audiosignale gleichzeitig an. Das Processing übernimmt ein redundantes Paar A__UHD Cores. Dessen Rechenkapazität lässt sich auf mehrere DSP-Instanzen verteilen, sodass über dieselbe Core-Infrastruktur parallel auch Audioproduktionen in anderen Regieräumen möglich sind.
Die bisherige Baseband-Infrastruktur wurde durch eine IP-Architektur mit A__stage-I/O-Geräten und IP-Audiostreams ersetzt. HOME übernimmt das Management der IP-Umgebung. Darüber lassen sich Studios, Regien und Audio-Processing vernetzen und Produktionsressourcen bedarfsgerecht zuweisen. Bei Bedarf können Ressourcen auf andere Arbeitsplätze oder Regien umgeschaltet werden.
Der Umbau umfasste damit sowohl die Bedienplätze als auch die dahinterliegende Signalverarbeitung und -verteilung. „Unser Ziel ging über den Austausch eines Mischpults hinaus“, sagt Ruberg. „Wir wollten eine Plattform schaffen, die längerfristig den Anforderungen heutiger Live-Produktionen gerecht wird und den Weg für zukünftige IP-basierte Betriebsmodelle bereitet.“

Erst testen, dann umziehen
Damit die Modernisierung im laufenden Sendebetrieb stattfinden konnte, installierten die Teams von RTL News und Lawo die neue mc²96 zunächst in Tonregie 5. Dort testeten sie die Konfiguration, sämtliche Signalwege und die neue Infrastruktur unter realen Produktionsbedingungen. Auf die mehrwöchige Test- und Trainingsphase folgten reguläre Produktionen aus der temporären Regie.
Anschließend wurde die bisherige Tonregie 1 weitgehend entkernt und neu aufgebaut. Mit dem Umzug der mc²96 an ihren endgültigen Standort war die Migration abgeschlossen. Die erneuerte Regie steht seitdem für die täglichen Sendungen ebenso wie für Live- und Sportproduktionen zur Verfügung.