Kontra K spielt im Deutschen SchauSpielHaus Hamburg, doch ein großer Teil seines Publikums sitzt an diesem Abend vor einer Kinoleinwand. Am 2. Oktober 2026 bringt Channel Aid das Konzert mit dem Lufthansa Orchester live in mehr als 200 Kinos. Für die Produktion bedeutet das: Der Look muss während der Show entstehen, die immersive Tonmischung rechtzeitig sendefertig sein und das Ergebnis zuverlässig in Häusern mit unterschiedlicher technischer Ausstattung ankommen.
Channel Aid hatte eine Kinoübertragung schon länger erwogen. „Die Option Kino liegt ehrlich gesagt schon ziemlich lange auf dem Tisch, seit 2020“, erzählt Gründer Fabian Narkus im mebucom-Techstream. Kontra Ks Orchesterkonzerte gaben schließlich den Anlass, die Idee umzusetzen: zwei exklusive Deutschlandshows, unveröffentlichte Songs und Special Guests. Für eine Initiative, die über die digitale Verwertung ihrer Konzertproduktionen Geld für soziale Projekte sammelt, kam damit ein weiterer Ausspielweg hinzu.

TVN PRODUCTION und TVN LIVE PRODUCTION übernahmen gemeinsam die technische Umsetzung und brachten bereits Erfahrung mit: Schon 2018 hatte das Unternehmen die Night of the Proms gemeinsam mit Dolby in 13 Kinos mit Atmos-Ton übertragen. „Damals ein relativ großer Aufwand“, erinnert sich Julian Rössig. In den Kinos mussten seinerzeit unter anderem Software und Lizenzen angepasst werden. Für Hamburg standen deshalb früh die Fragen nach Empfangsmöglichkeiten, Bildformaten, Tonvarianten und Fallback-Szenarien auf dem Tisch.
Gleichzeitig ließ der Standort wenig Spielraum. Vor dem Schauspielhaus nahe dem Hauptbahnhof mussten Ü-Wagen, Rüstfahrzeug und SNG sowie Fahrzeuge weiterer Gewerke auf begrenzter Fläche Platz finden. Ein großer Ü-Wagen mit ausfahrbaren Schubladen kam dafür nicht infrage.
ARRI-Kameras im bestehenden Ü-Wagen
Mit insgesamt fünf ALEXA 35 Live setzten Channel Aid und TVN auf eine Bildgestaltung, die dem Konzert auf der Kinoleinwand gerecht werden sollte. Eine Kamera war drahtlos auf einer Steadicam unterwegs, eine weitere wurde als kabelgebundene Handkamera eingesetzt. Die restlichen drei Kameras standen auf Stativen, zwei davon waren mit Broadcast-typischen Boxoptiken ausgestattet. Regisseur Pasquale Roedel entwickelte den Look gemeinsam mit Colorist Martin Gallo Schmidt und dem Lichtdesigner Bertil Mark aus Kontra Ks Team. An der Vorbereitung war neben ARRI auch Objektivpartner Fujinon beteiligt.