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EBU startet Open Live Production Cloud

EBU-Mitglieder sollen gemeinsam eine Cloud-Grundlage für die Live-Produktion entwickeln und besitzen. Zu den geplanten Anwendungen gehören Live-Sportfeeds von Olympia 2028, die in der gemeinsamen Cloud produziert werden sollen.

EBU startet Open Live Production Cloud
Mit der Open Live Production Cloud will die EBU technische Grundlagen für die Live-Produktion gemeinsam mit ihren Mitgliedern entwickeln. ©EBU

Die European Broadcasting Union (EBU) hat die Arbeitsgruppe Open Live Production Cloud gegründet. Unter der Leitung von Dennis Buhr sollen öffentlich-rechtliche EBU-Mitglieder darin die technischen Grundlagen für eine gemeinsam nutzbare, cloudbasierte Live-Produktion schaffen. Die Entwicklung soll auf Open-Source-Software und offenen Standards beruhen und von den Mitgliedern gemeinsam finanziert werden.

Im Mittelpunkt stehen Schnittstellen, Integrationsschichten und Verwaltungswerkzeuge. Solche aufwendigen Komponenten will die EBU gemeinsam mit ihren Mitgliedern einmal entwickeln, statt dass jedes Medienhaus dieselbe Arbeit separat finanziert. Ziel sind gemeinsame Produktions- und Playout-Dienste, die den beteiligten Organisationen gemeinschaftlich gehören.

Die Mitglieder sollen damit Feeds und Sendungen austauschen oder grenzüberschreitend gemeinsam produzieren können. Neu hinzukommende Organisationen sollen auf einer bereits funktionierenden Grundlage aufsetzen können, während die redaktionellen Entscheidungen, das Erscheinungsbild der Programme und die Rechte unter der Kontrolle des jeweiligen Medienhauses bleiben.

Wie die gemeinsame Cloud betrieben wird, bleibt offen

Für die geplante Cloud-Zusammenarbeit ist noch kein bestimmtes Hosting-Modell festgelegt. Möglich sind eine gemeinsame, von der EBU betriebene Umgebung oder ein Verbund interoperabler Umgebungen, die von den Mitgliedern selbst betrieben werden. In einer hybriden Struktur könnten einzelne gemeinsame Kerndienste zentral laufen, während die Produktionsumgebungen verteilt bleiben.

Welche Form daraus entsteht, soll sich im Verlauf der Zusammenarbeit zeigen. Zunächst geht es darum, Entwicklungsarbeit, Wissen und Erfahrungen zu teilen, heißt es. Die Gruppe will dabei offen entwickeln, mit kleinen Schritten beginnen und die gemeinsame technische Grundlage nach und nach erweitern.

DMF, MXL und TAMS als technische Grundlage

Technisch knüpft die Open Live Production Cloud an den Ansatz der Dynamic Media Facility (DMF) an. Der Media eXchange Layer (MXL) soll Echtzeitkomponenten miteinander verbinden, während der Time-addressable Media Store (TAMS) als Speicher für Aufzeichnung, Replay und Schnitt vorgesehen ist. Mit dieser Grundlage verfolgt die EBU das Ziel, die Komponenten portierbar und herstellerneutral zu halten.

Die Initiative fügt sich in das European Cloud Ecosystem for Public Service Media ein, das die EBU im Bericht TR 099 beschreibt. Innerhalb dieses übergeordneten Vorhabens übernimmt die neue Arbeitsgruppe die Entwicklung für den Bereich der Live-Produktion.

Erste Etappen bis zur Sportproduktion 2028

Das Gründungsgremium wurde bereits im dritten Quartal 2026 eingerichtet, die Arbeitsgrundlagen wurden im selben Zeitraum verabschiedet. Der erste technische Schritt betrifft jetzt den Austausch und die Handhabung von Feeds. Er ist für das vierte Quartal 2026 vorgesehen und auf der Gruppenseite bereits als teilweise umgesetzt gekennzeichnet.

Darauf soll im ersten Quartal 2027 ein Sportfeed mit Remote-Kommentar folgen. Für das zweite Quartal ist geplant, eine Produktion von „The Great Moose Migration“ neu aufzubereiten und mit lokalisierten Grafiken zu versehen.

Für 2028 sieht die Planung schließlich zwei Sportprojekte vor, deren Feeds in der gemeinsamen Cloud produziert werden sollen: Im ersten Quartal sollen dort Feeds vom Vasaloppet entstehen, im dritten Quartal Live-Sportfeeds von den Olympischen Spielen.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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