Zum Inhalt springen

Vorgestellt: First Rush – macOS-SDI-Recorder

Ein On-Set-Editor aus Südkorea hat mit First Rush einen macOS-SDI-Recorder entwickelt, der per Record Flag automatisch aufnimmt. Version 2.1 bringt jetzt Live-Grading, Scopes und Echtzeit-Compositing.

First Rush 2.1 Multicam-Recording-Interface
First Rush 2.1 Multicam-Recording-Interface mit vier Kamerakanälen ©Editor Han
Veröffentlicht:

Professionelle On-Set-Recording-Lösungen wie QTAKE oder Pomfort Reeltime sind etabliert, aber für freiberufliche On-Set-Editoren oft nicht erschwinglich. First Rush will diese Lücke füllen: Die macOS-Anwendung ist als SDI-Recorder konzipiert, der die Record Flag der Kamera erkennt und automatisch synchron aufnimmt – und mit Version 2.1 deutlich über reines Recording hinausgewachsen ist.

Automatische Aufnahme per Record Flag

Entwickelt hat die Software Editor Han (Jinkyu Han), ein On-Set-Editor in der koreanischen Film- und TV-Industrie. Das Grundprinzip: First Rush erkennt den SMPTE-RP-188-Record-Trigger der Master-Kamera über SDI und synchronisiert darüber die Aufnahme aller angeschlossenen Videokanäle. Unterstützt werden unter anderem ARRI ALEXA, Sony Venice, DJI Ronin 4D und Blackmagic URSA.

Die Clips werden direkt als Apple ProRes aufgezeichnet und automatisch mit Szene, Einstellung, Take, Kameraname und Timecode versehen. In Final Cut Pro und DaVinci Resolve landen sie fertig benannt und organisiert. Optional erkennt eine OCR-Funktion Kamera-HUD-Daten wie Clip, Reel, ISO, Weißabgleich und Verschlusszeit und schreibt sie in die Clip-Metadaten.

Die Software arbeitet mit Blackmagic DeckLink und AJA IoX3 Capture-Karten und unterstützt Grid-Layouts von 1×1 bis 4×4 für Multicam-Setups.

Version 2.1: Live-Grading, Scopes und Compositing

Version 2.1, die soeben erschienen ist, erweitert First Rush erheblich über die reine Recording-Funktion hinaus. CDL-Live-Grading mit Slope-, Offset- und Power-Farbrädern sowie Belichtungs-, Kontrast- und Farbtemperaturreglern ermöglicht das Erstellen von Monitoring-Looks, die sich optional auch auf die aufgezeichneten Dateien anwenden lassen. ASC-.cdl-Import und -Export sowie 3D-LUT-Unterstützung pro Quelle sind integriert.

Ein vollständiges Scope-Set – Luma-Waveform, RGB-Parade, Vectorscope und Histogramm – aktualisiert sich in Echtzeit zur Quell-Framerate. Hinzu kommen False Color, Zebra und Focus Peaking als Monitoring-Overlays.

Das Compositing-Modul bietet Chroma Key, Mix, Wipe und Difference-Vergleich in Echtzeit – etwa für VFX-Checks, Kontinuitätsprüfungen oder Greenscreen-Kontrolle am Set. Aufgenommene Clips lassen sich direkt über SDI auf Setmonitore ausspielen.

Companion Viewer für iPhone und iPad

Neu ist außerdem First Rush Viewer, eine kostenlose iOS-App, die das Live-Bild von bis zu vier Kameras auf iPhone oder iPad streamt. Die Verbindung funktioniert über lokales Netzwerk oder direkt per Peer-to-Peer – auch an Sets ohne Router. Regisseure, Kameraleute oder Script Supervisors können so ohne zusätzliche Hardware mitlesen.

First Rush Viewer
First Rush Viewer: Kostenlose iOS-App streamt bis zu vier Kameras live auf iPhone und iPad – auch ohne Netzwerk per Peer-to-Peer ©Editor Han

Preis und Verfügbarkeit

First Rush ist im Mac App Store und als Direktdownload mit siebentägiger kostenloser Testphase verfügbar. Das Abo kostet rund 140 US-Dollar pro Jahr und umfasst alle Funktionen ohne Stufenmodell – ein bewusster Preispunkt unterhalb der etablierten On-Set-Recording-Lösungen. Voraussetzung ist macOS 14 auf Apple Silicon.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

Alle Artikel

Weitere in Medientechnologie

Alle anzeigen

Weitere von Niklas Eckstein

Alle anzeigen
Prof. Dr. Annette Zimmermann beim Medientage-Gipfel
/ Nur für Mitglieder

KI demokratisieren: Wer bestimmt, was Fortschritt ist?

/
Moderatorin Eva Schulz spricht mit ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani auf den Medientagen München

Giordanis Plan für ProSiebenSat.1

/

Von unseren Partnern