Die Society of Motion Picture and Television Engineers (SMPTE) hat ihre gesamte Standards-Bibliothek für die Öffentlichkeit freigegeben. Sämtliche Standards, Recommended Practices, Engineering Guidelines und Registered Disclosure Documents stehen ab sofort kostenlos zum Download bereit – ohne Mitgliedschaft, ohne Bezahlung. Das gilt auch für alle künftigen Veröffentlichungen. Für eine Organisation, die seit 110 Jahren die technischen Grundlagen der Medienindustrie definiert, ist das ein bemerkenswerter Schritt.
Von kostenpflichtig über Mitglieder-exklusiv zu offen
Die Öffnung vollzieht sich in Stufen. Lange waren SMPTE-Standards nur gegen Einzelkauf erhältlich – eine einzelne Standardfamilie konnte über 100 US-Dollar kosten. Anfang 2024 machte die SMPTE ihre Dokumente für Mitglieder kostenlos zugänglich, wobei die Jahresmitgliedschaft 180 US-Dollar betrug. Nicht-Mitglieder mussten weiterhin kaufen. Jetzt fällt auch diese letzte Schranke.

SMPTE-Präsident Rich Welsh beschreibt die Entscheidung: „Diese Entscheidung haben wir uns nicht leicht gemacht. Unsere Branche steht vor transformativen Veränderungen – von IP-basierten Workflows bis hin zu KI-Authentizität und Content-Provenienz. Wir haben unseren Mitgliedern, Partnern und der globalen Standards-Community zugehört, und die Antwort war klar: Interoperabilität ist entscheidend für die Zukunft der Medien. Jetzt ist die Zeit, die Tore zu öffnen."
Warum das für die Branche relevant ist
SMPTE-Standards bilden das technische Fundament eines großen Teils der Broadcast- und Medientechnik. ST 2110 definiert den IP-basierten Medientransport, ST 2084 die HDR-Signalverarbeitung, ST 2022-7 die nahtlose Schutzumschaltung. Bislang konnten sich insbesondere kleinere Unternehmen, Entwickler in Schwellenländern und Bildungseinrichtungen den Zugang zu diesen Dokumenten nicht ohne Weiteres leisten. Das Ergebnis: Implementierungen basierten mitunter auf Sekundärquellen statt auf den Originaldokumenten – mit entsprechenden Risiken für die Interoperabilität.
Standards Director Steve Lamb bringt es auf den Punkt: „Standards erreichen ihren größten Wert, wenn sie für jeden zugänglich sind, der sie implementieren muss. Diese Öffnung reduziert Fehlinformationen und unterstützt eine konsistentere Implementierung über die gesamte Branche hinweg."
Modernisierung der Standards-Entwicklung
Die Freigabe ist Teil einer breiteren Modernisierung. Die SMPTE hat ihre Entwicklungsprozesse auf GitHub-basierte Workflows für Versionskontrolle und Automatisierung umgestellt, nutzt strukturierte HTML-basierte Autorensysteme und eine integrierte Publishing-Pipeline für Erstellung, Review und Veröffentlichung.
Unterstützt von den größten der Branche
Finanziert wird die Öffnung unter anderem durch SMPTEs Diamond-Level Corporate Members: Amazon AWS, Apple, Blackmagic Design, CBS/Paramount Global, Disney, Dolby, Fox, Google, Ross Video, Sony und Telstra. Unternehmen und Einzelpersonen, die bis zum 31. Dezember 2026 Spenden von 10.000 US-Dollar oder mehr zusagen, werden als „Inaugural Supporters" des Standards-Katalogs anerkannt.
Die vollständige Bibliothek ist über die SMPTE-Website zugänglich.