Strategie- und Sparplan für den SR

Der Intendant des Saarländischen Rundfunks (SR), Martin Grasmück, hat dem Rundfunkrat des Senders einen Strategie- und Maßnahmenplan vorgestellt. Er soll die SR-Existenz vor dem Hintergrund der schwierigen Finanzlage des öffentlich-rechtlichen Rundfunks absichern.

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SR-Intendant Martin Grasmück @SR/Pasquale D'Angiolillo
SR-Intendant Martin Grasmück @SR/Pasquale D'Angiolillo

Der neue Strategie- und Maßnahmenplan von SR-Intendant Martin Grasmück sieht neben der Fortführung der SR-Digitalstrategie die Reduzierung von Investitionen in Gebäude und technische Infrastruktur sowie unter anderem auch einen weiteren sozialverträglichen Personalabbau und Einsparungen im Programmetat vor. Allein letztere belaufen sich laut SR auf rund sechs Millionen Euro für die kommende Beitragsperiode (2025-2028).

Grasmück sagte: „Der Saarländische Rundfunk muss vielen Herausforderungen zeitgleich begegnen. Wir haben in den vergangenen Jahren unsere Hausaufgaben gemacht und diverse Prozesse und Projekte gestartet, um künftig noch effektiver Programm in einer sich stark verändernden Medienlandschaft produzieren zu können. Obwohl wir das meiste Geld bei den Themen Infrastruktur, Verwaltung und Produktion einsparen wollen, werden wir auch in unserem Programmangebot Einschnitte vornehmen müssen.“ 

Bereits in den vergangenen Jahrzehnten habe der Saarländische Rundfunk zahlreiche Sparrunden umgesetzt und sich in vielen Bereichen verschlankt. Auf Basis dieser Erfahrungen wolle der SR erneut rechtzeitig agieren und sich an die finanziell herausfordernden Rahmenbedingungen anpassen. Die umfangreichen Vorarbeiten hätten sich dabei gelohnt, so Grasmück weiter: „Der Strategie- und Maßnahmenplan ergänzt die von mir vor knapp drei Jahren aufgelegte SR-Digitalstrategie. Diese basiert auf den drei großen Projekten ‘Digitale Evolution’, ‘Smarte Produktion, Technik und Workflows’ und ‘Markenportfolio’, die dazu dienen, den SR angesichts eines sich permanent verändernden Mediennutzungsverhaltens weiterhin in die Lage zu versetzen, seinen Auftrag für die Saarländerinnen und Saarländer zu erfüllen und fit für die Zukunft zu machen.“

Dieser Prozess stehe kurz vor seinem Abschluss. Zusammen mit der Überprüfung der anstehenden Investitionen in den Bereichen Technik, Produktion und Bauen und einer unter anderem daraus resultierenden Fortführung des Personalabbaus um nach jetzigem Stand weitere 17 Stellen bis Ende 2028 sollen die Kosten erneut reduziert werden: „Der Strategie- und Maßnahmenplan ist Ausdruck unserer Verantwortung gegenüber dem Sender, dem Programm, den Mitarbeitenden und den Menschen im Land“, erklärte Grasmück weiter.

Keine betriebsbedingten Kündigungen

Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben. Für von Sparmaßnahmen besonders betroffene freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen alternative Einsatzmöglichkeiten gesucht werden. Das Maßnahmenpaket geht davon aus, dass die von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) vorgeschlagene Beitragserhöhung umgesetzt werde. Sollte dies nicht geschehen, seien weitere Sparmaßnahmen erforderlich, ergänzte Verwaltungs- und Betriebsdirektor Dr. Alfred Schmitz.

Allein mit Maßnahmen außerhalb des Programmetats sei der notwendige Wandel im Medienangebot nicht zu leisten, so Grasmück: „Neue Programmangebote sind nur möglich, wenn im Gegenzug ergänzend auch Umschichtungen vorgenommen oder sogar auf bestehende Angebote verzichtet wird.“ Für das Programm hat der zuständige Direktor Lutz Semmelrogge daher in Abstimmung mit allen Programmbereichsleiterinnen und -leitern sowie dem Direktorium eine Strategie entwickelt, die den Auftrag des SR für das Saarland und die Menschen in der Großregion in den Mittelpunkt stellt. Weitere Leitlinien sind unter anderem: die enorm hohe Reichweite des SR in Hörfunk und Fernsehen erhalten, die Akzeptanz in den digitalen Angeboten ausbauen sowie junge und neue Zielgruppen weiter erschließen und aufbauen. Die Deutsche Radio Philharmonie – bereits von SR und SWR gemeinsam getragen und in Rheinland-Pfalz und dem Saarland aktiv – gehört auch in Zukunft ebenfalls fest zum Angebotsportfolio, aber auch sie soll einen Sparbeitrag leisten. 

Erfüllung des regionalen Auftrags

Mit Blick auf diese Überlegungen soll die Konzentration der SR-Angebote im Dritten künftig auf den Vorabend zwischen 18.00 Uhr und 20.00 Uhr erfolgen – unter anderem weiterhin mit der „Wir im Saarland“-Schiene und dem „aktuellen bericht“. Der Vorabend trägt maßgeblich zur Erfüllung des regionalen Auftrags bei und hat eine sehr hohe Publikumsakzeptanz. Dieser Fokus führt werktags zu notwendigen Veränderungen bei den Angeboten nach 20.15 Uhr im SR Fernsehen jenseits der aktuellen Nachrichtensendungen: So sollen beispielsweise die Sendungen „SAAR3“ und „SAARTALK“ ab Anfang 2025 nicht fortgeführt werden. Öffentlicher Diskurs solle allerdings weiter seinen Platz im SR-Angebot behalten und durch eine entsprechende Formatentwicklung sichergestellt werden. Darüber hinaus soll laut SR-Programmdirektor Lutz Semmelrogge die Kabarett-Sendung im SWR/SR-Fernsehen „ALFONS und Gäste“ zum Jahresende 2025 eingestellt werden. 

Weitere Einsparungen und Umschichtungen in den Programmbereichen betreffen im Hörfunk zum Beispiel Auftragsproduktionen oder ergeben sich durch die Übernahme der Abendstrecken im ARD-Verbund im Rahmen der ARD-Reformagenda. Semmelrogge: „Mit den Maßnahmen wollen wir uns noch stärker auf den Kern unseres Programmauftrags konzentrieren, und wir erarbeiten uns im Gegenzug Handlungsfähigkeit und Spielraum für gutes Programm in der Zukunft.“ So sei auch weiterhin vorgesehen, ein zentrales Budget in der Programmdirektion zur Fortführung und Entwicklung von Angeboten für das Netz oder die ARD Mediathek beziehungsweise ARD Audiothek vorzuhalten. 

Auch in der ARD will sich der SR weiter aktiv einbringen und den laufenden Reformprozess unterstützt. Als Investition in die Zukunft sieht der SR sein geplantes Engagement in der neuen ARD-Gemeinschaftsredaktion „Kochen & Kulinarik“, die in Kooperation mit dem SWR entstehen soll. „Dieses wichtige Programmsegment passt gut zur DNA des Saarlandes. Möglich wird ein solches Engagement, weil künftig das Thema ‘Reise’ von einem ARD-Kompetenzcenter übernommen wird. Dies schafft Raum für mögliche Umschichtungen innerhalb der SR-Redaktion“, sagte Grasmück.

Insgesamt gelte, so der Intendant: „Trotz der großen finanziellen Herausforderung will der SR mit seinem Programmangebot verlässlicher und kompetenter Medienpartner für die Saarländerinnen und Saarländer bleiben – heute und in Zukunft.“

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