Mediahaus produziert Skitourenrennen über 5G

Ein privates 5G Netz von Hutchinson, Blackmagic Design Technik und SRT Streams - das waren die Erfolgsfaktoren für die Mediahaus-Produktion des Mountain Attack Skitourenrennens.

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Mediahaus produziert seit vielen Jahren das Mountain Attack Rennen in Saalbach.
Mediahaus produziert seit vielen Jahren das Mountain Attack Rennen in Saalbach – dieses Jahr auch über 5G. ©BMD

Mountain Attack. Der Name ist Programm. Das Skitourenrennen, das seit 1999 in der Nähe von Saalbach in Österreich ausgetragen wird, ist ein kräftezehrender Ausdauertest, bei dem sich Einzelstarterinnen und -starter sowie Dreierteams einen Berg hinauf und wieder hinunter kämpfen.

Schaut man sich die Live-Übertragungen auf dem österreichischen Sportsender LAOLA1.TV sowie auf YouTube und Facebook an, fallen zwei Dinge auf: Die Rennen finden in einem riesigen Gebiet statt und es liegt überall viel Schnee. Beides ist für Sportübertragungen nicht gerade förderlich.

Dennoch wählte die Mediahaus GmbH diese Austragungsstätte als Host Broadcaster für einen Proof of Concept für die Remote-Produktion von Live-SRT-Streams mit Blackmagic USRA Broadcast G2-Kameras über ein privates 5G-Netzwerk.

Interviews am Zieleinlauf in Saalbach ©BMD

H.264-Livestreams über SRT

Mediahaus mit Sitz in Salzburg war in den vergangenen zwölf Jahren Hostbroadcaster, konnte aber in diesem Jahr erstmals H.264-Livestreams von seinen URSA Broadcast G2-Kameras über SRT, ein für Live-Videostreaming optimiertes Protokoll, aus den Bergen zu seinem Ü-Wagen in Saalbach senden.

In Zusammenarbeit mit Hutchinson nutzte Mediahaus ein privates 5G-Netzwerk, um Live-Kamera-Feeds mit geringer Latenz von den Berggipfeln zum Produktionsteam und Regisseur Wolfgang Angermüller im Mediahaus-Ü-Wagen zu senden.

URSA Broadcast G2 von Blackmagic Design spielten eine wichtige Rolle bei der Produktion ©BMD

“Als wir vor elf Jahren mit dem Gründer des Rennens, Roland Kurz, zusammenarbeiteten, war es eine Herausforderung, nur zwei Kameras auf zwei Gipfel zu bringen”, erinnert sich Mediahaus-Geschäftsführer Angermüller und erzählt weiter: “Letztes Jahr hatten wir vier Kameras auf vier Gipfeln, jede über SDI mit einem Encoder verbunden, der wiederum über eine IP-Verbindung mit der Infrastruktur der Seilbahn verbunden war. Außerdem hatten wir zwei mobile Kameras auf Skidoos, die über ein Mobilfunknetz von Mobile Viewpoint verbunden waren. Es dauerte zwei Tage, bis wir alle Kameras und Encoder auf den Berggipfeln installiert hatten.”

5G-Netz von Hutchison

Der Vorschlag von Mediahaus, in diesem Jahr SRT und 5G einzusetzen, wurde von der neuen Technologie von Blackmagic Design und der Tatsache inspiriert, dass Hutchison, einer der Unterstützer und Sponsoren der Veranstaltung, ein eigenständiges 5G-Netz im Tal unterhalb von Saalbach aufgebaut hat.

Wolfgang Angermüller beim Mountain Attack Rennen in 2020

“Nächstes Jahr findet im Tal die Ski-WM statt und das private 5G-Netz wurde im Dezember fertiggestellt”, erinnert sich Angermüller. “Aber wir hatten auch das Glück, dass die neue Beta-Version von Blackmagic Camera 8.5 es ermöglichte, SRT von unseren URSA Broadcast G2s zu streamen; wir mussten nur ein Mobiltelefon anschließen, um die H.264-Feeds zu senden.”

Tests mit Hutchinson und Blackmagic Design

Mediahaus testete SRT über 5G zunächst im Labor mit Hutchinson in Wien und dann mit ATEM Streaming Bridges von Blackmagic Design als Empfänger im Ü-Wagen.

Diese kompakten Videokonverter empfangen und dekodieren die SRT-Streams, die dann über SDI in einen ATEM Constellation 8K Live-Produktionsmischer eingespeist werden, während Kamerasteuerungs- und Tally-Signale über dieselbe Datenverbindung zurück zur Kamera gesendet werden.

Mobile Kameras waren unter anderem auf Ski-Doos unterwegs. ©BMD

Zwei Wochen vor der Veranstaltung fand ein Praxistest in Saalbach statt. “Wir waren auf einem Gipfel und haben SRT mit einem normalen Samsung-Mobiltelefon gestreamt, das über USB-C mit der Kamera verbunden war. Wir hatten eine Latenz von einer halben Sekunde, das ist nichts”, sagt Angermüller.

Die Berge blockierten einige Positionen für die 5G-Antennen im Tal, sodass auf einem Gipfel eine Verbindung zum Starlink-Satellitennetzwerk aufgebaut wurde. “Das hat gut funktioniert, mit einer Latenzzeit von nur einer halben Sekunde”, sagt Angermüller. “Bei einem anderen Gipfel hatten wir zwei WiFi-Zugangspunkte, so dass die Handys, wenn es kein 5G gab, auf das öffentliche Internet umgeschaltet haben. Aber es ist immer die gleiche SRT-Verbindung über ein Handy.”

Beim Mountain Attack Rennen in Saalbach wird immer zu Fuß gestartet ©BMD

“Einer der am schwierigsten zu erreichenden Gipfel stellte sich als derjenige heraus, auf dem 5G ohne Probleme funktionierte”, fährt er fort. “Unser Operator nahm seine Kamera und sein Mobiltelefon und machte sich auf den Weg. Es war so viel einfacher, weil wir keinen Encoder und keine SDI-Kabel mitnehmen mussten; der Akku der Kamera versorgte das Handy mit Strom. Das sparte uns einen ganzen Arbeitstag.”

Ü-Wagen mit ATEM Constellation 8K Mischer

Im Ziel des Skitourenrennens hatte die Ü-Wagen Regie, die eine ATEM Constellation 8K für die Bildmischung verwendete, alle Telemetriedaten der Kamera zur Hand und konnte die Farbkorrektur, die Schattierung und die Verschlusszeit der Kamera über das ATEM-Kamerabedienfeld steuern. “Es war, als wäre die Kamera direkt mit einem Kabel verbunden”, sagt Angermüller. “Der andere große Vorteil war, dass wir jetzt Tally Lights an den Gipfelkameras hatten, die den Operatoren zeigten, dass sie live waren.”

Regie beim Mountain Attack ©BMD

Die dramatische Live-Übertragung des Mountain Attack-Rennens war sicherlich ein Beleg dafür, wie gut die Live-Produktion mit SRT-Streaming von der URSA Broadcast G2 funktioniert. Der beste Moment war laut Angermüller jedoch eine Stunde vor dem Rennen. “Alle Kamerasignale waren auf dem Multiviewer im Ü-Wagen zu sehen, und als mir die Bildtechniker bestätigten, dass sie alle verbunden waren, Tally hatten und alles funktionierte, war das ein tolles Gefühl”, so Angermüller.

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