Beim Super Bowl LX in San Francisco setzte Sennheiser erstmals einen Prototypen des Spectera SKM-Handsenders bei einer Broadcast-Produktion ein. Singer-Songwriterin Brandi Carlile nutzte das Mikrofon mit einer Neumann KK 205-Kapsel für ihre Interpretation von „America the Beautiful" während der Pre-Game-Show. Für den Auftritt wurde eigens ein goldfarbener Prototyp angefertigt. Lady Gaga und Ricky Martin griffen bei ihren Gastauftritten in der von Bad Bunny angeführten Halbzeitshow auf das bewährte Digital 6000 System zurück.
Bidirektionales Breitband-System
Spectera ist das erste bidirektionale drahtlose Breitband-Ecosystem, das Audioübertragung, Systemsteuerung und Monitoring innerhalb eines einzigen HF-Kanals ermöglicht. Bis zu 64 Kanäle – 32 Eingänge und 32 Ausgänge – lassen sich gleichzeitig innerhalb einer Rack-Einheit betreiben. Die Latenz liegt bei einer Millisekunde, die Audioauflösung bei 96 kHz.
Die Effizienz des Systems zeigte sich beim Super Bowl deutlich: Während der gesamten Veranstaltung wurden sieben drahtlose Mikrofone und neun Stereo-In-Ear-Systeme mit insgesamt nur 6 MHz HF-Spektrum betrieben. In einer der am stärksten frequentierten HF-Umgebungen für Live-Audio ist das ein bemerkenswerter Wert.
Vom Broadway zum Super Bowl
Der Weg zum Super Bowl begann bei der New Yorker Theaterproduktion „Masquerade", wo HF-Koordinator Cameron Stuckey das Spectera-System erstmals im großen Stil einsetzte. Die immersive Produktion erstreckte sich über sechs Etagen und 13 Aufführungsräume im Zentrum von Manhattan – eine anspruchsvolle HF-Umgebung mit hoher Kanaldichte und komplexer Gebäudestruktur.

„Dieses Projekt erforderte eine bidirektionale Funkverbindung mit hoher Dichte, wobei alle Funktionen von Spectera zum Einsatz kamen: Gerätekapazität, Mehrzonenbetrieb, Modulationsdiversität", sagt Stuckey. „Es war der beste Beweis für die Stabilität des Systems."
Als Stuckey später zum leitenden HF-Koordinator für den Super Bowl berufen wurde, schlug er den Einsatz von Spectera vor. In den Wochen vor dem Spiel arbeitete er gemeinsam mit Sennheiser und dem Produktionsteam von Brandi Carlile an der Vorbereitung des Prototypen für die Live-Übertragung.
Antennen-Setup für das Stadion
Um eine nahtlose Übertragung während der Proben und der Livesendung zu gewährleisten, setzte das Produktionsteam drei Sennheiser DAD-Antennen ein, die das Stadionumfeld abdeckten, sowie eine zusätzliche Antenne für den Backstage- und Vorbereitungsbereich.

„Mit Spectera können wir Antennensysteme in einem Bruchteil der Zeit einrichten, die koaxialbasierte Schmalbandsysteme benötigen", erklärt Stuckey. Anstatt verlustbehaftete Verbindungen oder Artefakte der RF-Over-Fiber-Konvertierung zu kompensieren, definiere man den Empfangsbereich, platziere die DAD-Antennen und schließe sie an. „Dank des großen Abstimmbereichs und des Zugangs zum 1G4-Spektrum kann Spectera bei jeder Show eingesetzt werden – unabhängig von ihrer Größe."
Klangliche Vorteile im Live-Einsatz
Sean Quackenbush, langjähriger Front-of-House-Techniker von Brandi Carlile, testete den Prototypen im Vorfeld gemeinsam mit seiner bevorzugten Neumann KK 205-Kapsel. Die klanglichen Unterschiede fielen ihm sofort auf.
„Zum ersten Mal hörte man bei einem drahtlosen Handsender wirklich die Neumann-Kapsel heraus", sagt Quackenbush. Der Naheffekt wirke natürlich, nicht übertrieben. „Es bietet die Studioqualität, die man in einer kontrollierten Umgebung erwartet – doch wir hörten es live, drahtlos, in einem Stadion." Der Gesang habe auch bei hoher Lautstärke stabil geklungen, ohne dass er den EQ nennenswert anpassen musste.
Monitor-Ingenieur Jerry Streeter bestätigt den Eindruck: „Die Klarheit und Stabilität waren wirklich beeindruckend. Es gibt keine hörbare Kompression, die Höhen bleiben gleichmäßig und die In-Ears klingen unglaublich offen. Aus HF-Sicht ist es ein Game-Changer, diese Leistung mit einem einzigen TV-Kanal umzusetzen."