Die Beschallung einer Live-TV-Castingshow gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben in der Veranstaltungstechnik: Saalton und Sendeton müssen gleichzeitig funktionieren, dauerhaft offene Jury-Mikrofone erfordern maximales Gain before Feedback, und die Technik darf im Kamerabild nicht sichtbar sein. Für die Produktion von „Deutschland sucht den Superstar" im Kölner Coloneum mit rund 1.300 Zuschauern entwickelten dBTechnologies und die MMC Studios daher ein durchgängig geflogenes Beschallungskonzept auf Basis der VIO-Serie. Die Umsetzung übernahm Atlive.
Kein Lautsprecher am Boden, kein Subwoofer sichtbar
Die zentrale Vorgabe: keine sichtbaren Lautsprecher, keine Subwoofer oder Monitore am Boden – und trotzdem druckvoller, gleichmäßiger Klang über alle Ränge. Die Hauptbeschallung übernahmen daher 24 VIO L1610 Line-Array-Module in drei Arrays. Für Parkett und Randzonen kamen 26 VIO L1608 in sechs kurzen Arrays hinzu, ergänzt um vier VIO X310 als Point-Source-Systeme und vier VIO X205 als Delay-Linien. Auf der Bühne sorgten sechs VIO W12 für das Monitoring. Die Systeme stammen aus dem VIO Rental Network.
Jens Szczygieleski von Atlive beschreibt den Schlüsselvorteil: „Der durchgängig identische akustische Charakter der VIO-Serie war entscheidend: Wir konnten verschiedene Systemtypen frei kombinieren, ohne klangliche Brüche zu erzeugen, und haben das gesamte Setup konsequent geflogen."
Geflogenes Sub-Cluster als akustische Nulllinie
Das Herzstück des Konzepts ist der Tieftonbereich. Da Subwoofer am Boden ausgeschlossen waren, realisierte das Team ein zentrales geflogenes Cluster aus acht VIO S118 – bogenförmig angeordnet und je nach Position symmetrisch oder asymmetrisch konfiguriert, um die Tieftonenergie gezielt auf das Publikum zu richten.

Jochen Gotzen, Technical Director bei dBTechnologies, erklärt den Ansatz: „Der Sub ist bei uns die Null. Wir haben das geflogene Sub-Cluster als akustische Nulllinie definiert und alle übrigen Systeme zeitlich und phasenrichtig darauf abgestimmt. Das Ergebnis ist eine spürbar verbesserte Ortung und ein deutlich höheres Gain before Feedback – genau das, was man bei dauerhaft offenen Jury-Mikrofonen und einem aktiven Saal braucht."
Simulation vorab, Feinabstimmung über Aurora Net
Die Auslegung sämtlicher Systeme erfolgte vorab in EASE Focus durch Martin Antulov und Marius Dimke von den MMC Studios. Abdeckung, Pegelverteilung und Frequenzgang waren über alle Publikumsbereiche bereits in der Simulation aufeinander abgestimmt.
Im Betrieb sind alle Systeme netzwerkbasiert über Aurora Net angebunden und redundant über A2Net angesteuert. Da alle VIO-Systeme aktiv arbeiten und über einen eigenen DSP verfügen, entfällt eine externe Prozessor- oder Matrix-Ebene. In Aurora Net lassen sich alle Lautsprecher einzeln darstellen, in Gruppen zusammenfassen und in Delay und Frequenzgang feinjustieren.
„Besonders bei einer Live-TV-Show, bei der es keine zweite Chance gibt, gibt uns das die Sicherheit, dass das System exakt so arbeitet wie geplant", fassen Antulov und Dimke die Installation zusammen.