Zum Inhalt springen

Fans oder Kommentator: Freie Tonwahl

Eine neue Technologie des Fraunhofer IIS in Erlangen erlaubt Fernsehzuschauern und Radiohörern, Lautstärke von Dialogen, Musik und Klangeffekten getrennt zu regeln. Fußballfans können erstmals frei wählen, ob sie lieber den Kommentator oder die Fangesänge laut hören.

Fans oder Kommentator: Freie Tonwahl
Veröffentlicht:

Im September zeigen die Forscher die neue Technologie auf den Messen IFA in Berlin, Halle 11.1, Stand 8, und der IBC in Amsterdam in Halle 8 am Stand D80.

Die unterschiedlichen Tonspuren einer Fernsehübertragung ganz nach den eigenen Wünschen abzumischen – mit einer neuen Audiotechnologie des IIS muss das kein Wunschtraum bleiben. Vor wenigen Wochen wurde das Verfahren zusammen mit der BBC erstmals in einem Experiment getestet: bei der Live-Übertragung des Tennis Grand-Slam-Turniers in Wimbledon. Dabei konnten die Hörer des Radio 5 Live’s Webradio mit einem speziell entwickelten Medienplayer die Lautstärke des Kommentators getrennt von der Stadionatmosphäre regeln. Zahlreiche begeisterte Reaktionen der Nutzer und Medien zeigen den Bedarf: Gerade für gehörgeschädigte Fans ist es oft schwierig den Ausführungen der Sprecher zu folgen; andere Sportfans möchten eher die Atmosphäre auf sich wirken lassen.

Bislang war es für den Zuhörer oder Zuschauer nicht möglich, die verschiedenen Audiobestandteile eines Radio- oder Fernsehprogramms individuell zu beeinflussen. Eine Technologie zur datensparenden Übertragung unterschiedlicher Audioobjekte, also zum Beispiel der Kommentare oder der Stadionatmosphäre, löst dieses Problem. Beides wird üblicherweise von den Rundfunkanstalten vor Ort abgemischt und anschließend übertragen.

Mit der neuen Fraunhofer-Technologie werden die verschiedenen Tonspuren schon bei der Abmischung so gekennzeichnet, dass die Empfangsgeräte zuhause sie wieder voneinander trennen können. Die benötigte Bandbreite für die Übertragung dieses erweiterten Audiosignals erhöht sich unwesentlich. Die Rundfunkanstalten können das Signal über dieselben Kanäle wie bislang übertragen. Und so können Zuhörer dann künftig über die Fernbedienung ihren Ton selbst mischen und zum Beispiel den Kommentator für eine bessere Verständlichkeit lauter stellen. Die Technologie ist kompatibel mit allen herkömmlichen Geräten, die auch weiterhin das von den Sendern abgemischte Signal wiedergeben.
Auf der IFA und der IBC können die Besucher des Fraunhofer-Stands selbst testen, wie sich bei der TV-Übertragung eines Tennisspiels der Ton individuell regeln lässt. (8/11)

Eckhard Eckstein

Eckhard Eckstein

Erfahrener Fachjournalist und langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift MEDIEN BULLETIN. Themenschwerpunkte sind Medienpolitik und Rundfunktechnologie.

Alle Artikel

Weitere in Medientechnologie

Alle anzeigen

Weitere von Eckhard Eckstein

Alle anzeigen

Von unseren Partnern