Tech Meet Up diskutiert den Medienkonsum der Zukunft

Zum ersten Mal luden Qvest und das Tochterunternehmen Hyve rund 40 Teilnehmer zu einem Tech Meet Up nach München ein, um über die Zukunft der Medienindustrie zu diskutieren. In der Keynote von Dr. Giordano Koch und Konstantin Knauf ging es zunächst darum, wie sich Medienunternehmen effizient und zukunftsfähig aufstellen können und welche innovativen Technologien den Medienmarkt von morgen prägen werden.

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Tech Meet Up von Qvest und Hyve
Tech Meet Up beim Innovationsexperten Hyve in der Münchner Maxvorstadt

Qvest und das Tochterunternehmen Hyve veranstalteten am 23. November zum ersten Mal ein Tech Meet Up in München. Die Gastgeber luden zum gemeinsamen Austausch und Impulsvorträgen in die Hyve-Zentrale in der Maxvorstadt. Rund 40 Medienschaffende, Partner und Interessierte folgten der Einladung. Einen besonders interessanten Impulsvortrag hielten Dr. Giordano Koch, Geschäftsführer der Hyve Innovate GmbH, und Konstantin Knauf, Managing Director Europe von Qvest. Unter dem Tagesmotto “The future of Entertainment” ging es zunächst um die Frage, wie sich Medienunternehmen effizient und zukunftsfähig aufstellen können.

Medienzukunftsforschung: Ein strukturierter Prozess

Dr. Giordano Koch

Um sich dieser Frage möglichst seriös zu nähern, sei es wichtig, in einem strukturierten Prozess über die Zukunft zu diskutieren, so Koch in seinem Plädoyer. “Es geht darum, sich vorzustellen, wohin sich die Branche entwickelt und welche Rolle das eigene Unternehmen in der Medienzukunft von morgen spielen kann. Wo man sich als Unternehmen positionieren kann, hängt dann von den eigenen Ressourcen und Fähigkeiten ab und welche Chancen und Möglichkeiten sich daraus ergeben.” Das erarbeitete Zukunftsbild müsse dann wiederum Auswirkungen auf die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen haben.

“Demand Pull” statt “Technology Push”

Hyve, eine Beratungsagentur für Innovationsmanagementprozesse, gehört seit April 2023 zur Qvest-Gruppe und hatte bisher eher wenige Berührungspunkte mit der Medienbranche. Man sehe sich daher “noch ein bisschen als Medien-Außenseiter”, so Koch. Mit ungetrübtem Blick auf die Dinge hätten die letzten Monate aber gezeigt, dass die Medienindustrie im Gegensatz zu anderen Branchen besonders stark von neuen Technologien getrieben wird. “Da gerät man schnell in Hektik und schießt manchmal mit Kanonen auf Spatzen”, so Koch. Seiner Erfahrung nach sei es daher viel sinnvoller, auf “Demand Pull” statt auf “Technology Push” zu setzen. “Was ich mit Demand Pull meine – eher schauen, was der Konsument wirklich braucht, und dann zurückrechnen, was dafür nötig ist.”

Dr. Giordano Koch erläutert bei einer Führung den Innovationsprozess von Hyve am Beispiel anderer Branchen

Andere Branchen wie FMCG (Fast Moving Consumer Goods) würden dieses Konzept viel stärker anwenden. Beispiel Deodorant: Den Wettlauf um immer länger anhaltende Düfte – 24h, 36h, 72h und sogar 96h – habe Beiersdorf inzwischen aufgegeben. Stattdessen habe man in einem Projekt mit Hyve daran gearbeitet, herauszufinden, was den Verbraucher wirklich stört. In diesem Fall das Problem der Deoflecken, das mit speziellen Produkten direkt angegangen werden konnte und sehr erfolgreich läuft, wie Koch versichert.

Eine weitere Erkenntnis seien die starken Konzernstrukturen in der Medienbranche. “Das macht die digitale Transformation nicht einfacher. Wenn wir in den letzten Monaten darüber diskutiert haben, wie man Innovationen wirklich auf die Straße bringt, dann hat man schnell das Gefühl, dass Medienunternehmen an der einen oder anderen Stelle noch agiler sein könnten.”

Koch schloss mit einer persönlichen Annekdote von der IBC, die er im September erstmalig besuchen konnte. Alle hätten davon gesprochen, jetzt noch mehr Inhalte zu produzieren und noch mehr Plattformen und Kanäle zu bespielen. “Und trotzdem haben alle gejammert”, erzählte Koch schmunzelnd. “Das ist natürlich übertrieben, aber es zeigt mir, dass man sich mehr mit der Medienlandschaft von morgen beschäftigen muss, um zu verstehen, auf welche Themen man wirklich setzen sollte.”

Plattformisierung und das Internet als “Common Layer”

Im zweiten Teil der Präsentation sprach Konstantin Knauf über die rasante Entwicklung in der Medienbranche, den zunehmenden Trend zur Plattformisierung und das Internet als “Common Layer”. “Das bedeutet immer mehr Konkurrenz und Services”, so Knauf. Daher sei es wichtig, eine klare Zielgruppenansprache und das beste plattformübergreifende Produkt oder den besten Content zu haben. Die Sängerin Taylor Swift habe das erkannt und mit der Verlängerung ihrer Konzerte (das Produkt) in Kinosäle einen absoluten Volltreffer bei ihren Fans ohne Eintrittskarte (die Zielgruppe) gelandet. “Heutzutage ist es wichtig, plattformübergreifende Erlebnisse zu schaffen. Das Chat-basierte Tatort-Game ist ein gutes Beispiel dafür. Es ermöglicht mir, die Marke Tatort auch an anderen Orten zu konsumieren und mit ihr zu interagieren. Im Zweifel spricht man damit sogar eine neue Zielgruppe an”, so Knauf.

Konstantin Knauf

Das Automobil als Medienplattform

Darüber hinaus sprach Knauf zwei weitere spannende Zukunftsthemen an. Zum einen das autonome Fahren. Aus der Freude am Fahren könne bald die Freude am gefahren werden werden. “Netflix und Tesla haben das bereits erkannt und wollen ein Auto rund um ein digitales Ökosystem bauen. Ich baue kein Auto, sondern eine Plattform, auf der man Dinge vertreiben kann.” Aber auch deutsche Hersteller hätten das bereits verstanden und könnten den Insassen ihrer autonomen Fahrzeuge der Stufe 3 Zeit zurückgeben, die für andere Mediendienste genutzt werden könne.

Immersiver Medienkonsum wird kommen

Neben dem ortsgebundenen Medienkonsum im Auto sei auch das Thema Immersion ein Thema mit innovativer Strahlkraft. Dies zeige unter anderem der Versuch von Apple, mit der Vision Pro einen völlig neuen Markt zu erschließen. “50 Prozent aller Deutschen über alle Altersgruppen und Geschlechter hinweg sind Gamer und zwei Drittel aller Menschen ab 16 Jahren sind es ohnehin gewohnt, eine Brille zu tragen”, sagt Knauf und schließt: “Ob Apple mit der 3500 Euro teuren Brille der Durchbruch bei VR-Headsets gelingt, sei dahingestellt. Aber wenn man sich die typischen Innovationszyklen im Medien- und Entertainmentbereich anschaut, ist schon jetzt klar, dass wir uns heute mit dem Thema VR auseinandersetzen sollten”.